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Gerüstbauer-Leben / 31. August 2026

Ich muss lernen loszulassen

Bild: Gemeinhardt Service GmbH

Ich muss lernen loszulassen

Es gibt Dinge, die nimmt man mit nach Hause.

Nicht im Auto. Nicht in der Aktentasche. Sondern im Kopf.

Genau das beschäftigt mich im Moment.

Wenn der Arbeitstag nicht endet

Am vergangenen Wochenende lief ein Projekt, das ich geplant und vorbereitet habe. Durch kurze Sperrpausen musste alles in einem engen Zeitfenster funktionieren. Gleichzeitig begleitet mich noch ein anderes Projekt, bei dem ich auf eine wichtige Zuarbeit warte.

Eigentlich habe ich alles erledigt, was ich erledigen konnte. Die Planung ist abgeschlossen, die Informationen sind weitergegeben und die Verantwortlichkeiten sind geklärt.

Und trotzdem kreisen die Gedanken weiter.

Ob alles klappt. Ob wirklich jeder alle Informationen hat. Ob etwas übersehen wurde. Und was passiert, wenn doch etwas schiefgeht.

Verantwortung als Stärke

Dabei ist mir etwas aufgefallen.

Ich glaube, Verantwortung zu übernehmen gehört zu meinen größten Stärken. Ich denke gerne voraus, plane gerne und versuche, Risiken möglichst früh zu erkennen. Genau das macht mir in meinem Beruf als Projektleiter auch Spaß.

Aber jede Stärke hat auch ihre Kehrseite.

Manchmal fällt es mir schwer, Verantwortung wieder abzugeben.

Der Wunsch nach Kontrolle

Wenn ich ehrlich bin, steckt dahinter der Wunsch, alles unter Kontrolle zu haben. Ich möchte, dass Projekte funktionieren. Dass Termine eingehalten werden. Dass alle sicher arbeiten und am Ende alles so läuft, wie wir es geplant haben.

Nur funktioniert das Leben nicht so.

Es gibt einen Punkt, an dem meine Verantwortung endet und das Vertrauen in andere beginnt. Genau an diesem Punkt möchte ich besser werden.

Was Loslassen für mich bedeutet

Früher dachte ich immer, loslassen bedeutet, dass einem etwas nicht mehr wichtig ist. Heute sehe ich das völlig anders.

Loslassen bedeutet für mich nicht, sich nicht mehr zu kümmern.

Loslassen bedeutet, sagen zu können:

Ich habe alles getan, was in meinem Einflussbereich lag. Jetzt vertraue ich darauf, dass andere ihren Teil genauso verantwortungsvoll übernehmen.

Vertrauen statt Kontrolle

Diese Erkenntnis begleitet mich inzwischen nicht nur im Beruf.

Auf Baustellen gibt es immer den Moment, an dem ich Verantwortung übergebe. Die Planung ist abgeschlossen. Die Kolonnen wissen, was zu tun ist. Natürlich bleibe ich erreichbar, falls Fragen auftauchen. Aber ich kann und sollte nicht jeden einzelnen Handgriff kontrollieren.

Eigentlich wäre das sogar ein Zeichen schlechter Führung.

Denn gute Führung bedeutet für mich nicht, alles selbst zu machen. Gute Führung bedeutet, Menschen so vorzubereiten, dass sie ihre Aufgaben eigenständig erledigen können – und ihnen anschließend auch zu vertrauen.

Die eigentliche Herausforderung beginnt nach Feierabend

Die eigentliche Herausforderung beginnt allerdings nicht auf der Baustelle, sondern nach Feierabend.

Ich merke immer wieder, wie schnell ich Projekte mit nach Hause nehme. Dann sitze ich mit meiner Freundin oder meinen Kindern zusammen, höre zwar zu, bin mit meinen Gedanken aber noch auf der Baustelle. Ich bin körperlich zu Hause, gedanklich aber noch mitten im Projekt.

Und genau das möchte ich verändern.

Nicht, weil mir meine Arbeit weniger wichtig werden soll.

Sondern weil die Menschen, die mir am wichtigsten sind, meine volle Aufmerksamkeit verdienen.

Eine persönliche Lernaufgabe

Vielleicht ist genau das eine der größten Lernaufgaben, die ich gerade habe.

Zu unterscheiden, was ich heute noch beeinflussen kann und was nicht mehr in meiner Hand liegt.

Denn wenn ich versuche, alles festzuhalten, halte ich am Ende nicht das Projekt fest.

Ich halte mich selbst fest.

Mein Fazit

Und genau deshalb glaube ich heute:

Loslassen ist keine Schwäche.

Loslassen ist Vertrauen.

Vertrauen in andere.

Und manchmal auch Vertrauen in sich selbst.

Weiterführender Beitrag

👉 Wenn dich Gedanken über Verantwortung, Führung und persönliche Entwicklung interessieren, findest du hier weitere Beiträge von mir:

„Ich muss die Verantwortung übernehmen, um etwas zu verändern“

https://marcus-muschke.de/2026/07/06/ich-muss-die-verantwortung-uebernehmen-und-handeln-um-etwas-zu-veraendern/

Und du?

Gibt es etwas, das du gedanklich immer wieder mit nach Hause nimmst, obwohl du weißt, dass du es in diesem Moment gar nicht mehr beeinflussen kannst?

Ich freue mich auf deine Gedanken.

Marcus Muschke

Allgemeine Themen / 22. Juni 2026

Warum ich jeden Tag um 4 Uhr aufstehe

Bild: Marcus Muschke

Wenn man es von außen betrachtet, klingt es erstmal einfach nur anstrengend.

4 Uhr aufstehen.
Jeden Tag.
Auch am Wochenende.

Viele würden sich fragen: Warum macht man das freiwillig?

Die ehrliche Antwort ist:
Weil ich sonst selbst zu kurz komme.

Zwischen Verantwortung und Alltag

Mein Alltag ist voll.

Bauleitung.
Ausbildung.
Familie.
Beziehung.

Alles Dinge, die mir wichtig sind.
Alles Dinge, für die ich Verantwortung trage.

Aber genau darin liegt auch die Herausforderung:

Wenn man nicht bewusst aufpasst, bleibt eine Person schnell auf der Strecke.
Man selbst.

Und das habe ich irgendwann gemerkt.

Der einzige Zeitpunkt, der wirklich mir gehört

Früher habe ich versucht, mir Zeit am Abend zu nehmen.

Routine. Reflexion. Dinge für mich.

Das Problem:
Nach einem langen Tag lässt man es schneller ausfallen.

Man ist müde.
Man schiebt es.
Man sagt sich: „Morgen.“

Und genau deshalb habe ich es gedreht.

Ich nehme mir die Zeit am Anfang des Tages.
Bevor irgendetwas anderes beginnt.
Ohne Ausrede.

Der Start: Ruhe, die man sonst nicht kennt

Das Erste, was ich mache: Ich gehe raus.

Durch Waldheim.

Die Stadt ist still.
Fast alle schlafen noch.

Es ist eine Ruhe, die man sonst nicht erlebt.

Keine Hektik.
Keine Erwartungen.
Keine Ablenkung.

Nur Bewegung.

Und Gedanken, die langsam klarer werden.

Dieser Spaziergang hat für mich etwas Meditatives.

Er holt mich runter.
Er bringt mich zu mir selbst.

Und ich kann jedem nur empfehlen, das einmal auszuprobieren: die eigene Stadt zu einer Zeit zu erleben, in der sie eigentlich schläft.

Routine statt Motivation

Nach dem Spaziergang geht es weiter.

Bewegung.
Dehnübungen.
Meditation.
Manchmal Musik.

Und dann eine Phase, in der ich bewusst an meinen eigenen Zielen arbeite.

Nicht an Projekten.
Nicht an Aufgaben für andere.
Sondern an Dingen, die mich persönlich weiterbringen.

Das Ganze dauert ungefähr zwei Stunden.

Danach beginnt der Tag.

Meine Kinder stehen auf.
Meine Freundin.
Und dann geht es in den normalen Ablauf.

Warum ich das durchziehe

Die Frage kommt oft: Warum so früh? Warum nicht später?

Die Antwort ist einfach:

Weil ich später keine Kontrolle mehr habe.

Der Tag gehört dann nicht mehr nur mir.

Es kommen Termine. Aufgaben.
Unvorhergesehene Dinge.

Und genau deshalb setze ich den Fokus bewusst davor.

Am Anfang des Tages.
Dort, wo nichts dazwischenkommt.

Das Wichtigste daran

Es geht nicht darum, perfekt zu sein.
Nicht darum, alles richtig zu machen.

Es geht darum, sich selbst Raum zu geben.

Jeden Tag.

Nicht nur dann, wenn es passt.
Nicht nur unter der Woche.
Sondern konsequent.

Denn genau daraus entsteht Entwicklung.

Nicht aus einzelnen Aktionen.
Sondern aus Wiederholung.

Was sich dadurch verändert hat

Ich bin klarer im Kopf.
Ruhiger in Entscheidungen.
Bewusster im Umgang mit Stress.

Und vor allem habe ich das Gefühl, dass ich meinen Tag nicht nur reagiere, sondern gestalte.

Am Ende ist es eine Entscheidung

Ich könnte auch länger schlafen. Natürlich.

Aber dann müsste ich mir die Frage stellen: Wann nehme ich mir Zeit für mich?

Und darauf hatte ich irgendwann keine gute Antwort mehr.

Heute habe ich sie.

4 Uhr.

Zum Schluss

Hast du einen festen Zeitpunkt am Tag, der nur dir gehört?
Oder schiebst du ihn immer wieder nach hinten?

Ich bin gespannt auf deine Gedanken.

Marcus Muschke