Der Moment, in dem ich verstanden habe: Ich muss nicht immer die Lösung selbst haben
Bei manchen Gerüstplanungen weiß ich schon am Schreibtisch, dass meine Planung nicht zu 100 Prozent so umgesetzt werden wird.
Und das ist für mich mittlerweile völlig in Ordnung.
Früher hätte mich genau das wahrscheinlich gestört. Wenn ich etwas plane, möchte ich schließlich eine Lösung liefern. Eine Zeichnung erstellen, auf der alles festgelegt ist und die am Ende genauso gebaut werden kann.
Heute gehe ich bei manchen Projekten bewusst anders heran.
Mein Ziel sind manchmal nicht 100 Prozent.
Mein Ziel sind 90 Prozent – aber die richtigen 90 Prozent.
Warum ich bewusst etwas offenlasse
Gerade im Spezialgerüstbau gibt es Situationen, die ich am Rechner nur begrenzt beurteilen kann. Ich kann Maße aufnehmen, Fotos auswerten, 3D-Daten nutzen, Varianten entwickeln und vieles im Vorfeld durchdenken.
Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem die Menschen vor Ort mehr sehen als ich am Bildschirm.
Und genau deshalb versuche ich nicht mehr, jede Kleinigkeit zwanghaft vorzugeben.
Natürlich müssen die wesentlichen Dinge geklärt sein. Die Konstruktion muss funktionieren, Lasten müssen berücksichtigt sein und sicherheitsrelevante Punkte dürfen nicht dem Zufall überlassen werden.
Aber innerhalb dieses Rahmens kann es mehrere Wege zum Ziel geben.
Dann zeichne ich manchmal ganz bewusst Lösungsmöglichkeiten ein, statt eine einzige Variante bis ins letzte Detail festzuschreiben.
Und vor allem rede ich mit der Kolonne darüber.
Ich sage ihnen, was ich mir gedacht habe, wo die entscheidenden Punkte liegen und an welchen Stellen bewusst Spielraum vorhanden ist.
Denn die Kollegen, die das Gerüst am Ende montieren, bringen etwas mit, das keine noch so detaillierte Zeichnung ersetzen kann:
ihre Erfahrung vor Ort.
Ich muss nicht beweisen, dass meine Lösung die beste ist
Das war für mich eine wichtige Erkenntnis.
Als Planer oder Projektleiter könnte ich natürlich versuchen, jedes Problem selbst zu lösen. Schließlich bin ich derjenige, der die Planung erstellt hat.
Aber darum geht es eigentlich gar nicht.
Meine Aufgabe ist nicht, zu beweisen, dass ich für alles die beste Lösung habe. Meine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass wir am Ende gemeinsam die beste Lösung finden.
Und manchmal kommt die eben nicht von mir.
Vielleicht sieht ein Kollege beim Aufbau eine Möglichkeit, die ich am Schreibtisch gar nicht erkennen konnte. Vielleicht hat jemand aufgrund seiner Erfahrung eine einfachere Idee. Oder die Situation vor Ort sieht ein wenig anders aus, als wir sie vorher angenommen haben.
Dann wäre es doch unsinnig, auf meiner Planung zu bestehen, nur weil mein Name daraufsteht.
Vertrauen bedeutet auch, anderen etwas zuzutrauen
Für mich hat das viel mit Führung zu tun.
Wenn ich Menschen immer nur genau sage, was sie tun sollen, darf ich mich irgendwann nicht wundern, wenn sie aufhören, selbst nachzudenken.
Wenn ich dagegen einen klaren Rahmen schaffe und innerhalb dieses Rahmens bewusst Freiraum lasse, passiert etwas anderes.
Menschen bringen ihre Erfahrung ein.
Sie denken mit.
Und sie übernehmen Verantwortung für die Lösung.
Natürlich funktioniert das nur, wenn man miteinander spricht. Ich kann nicht einfach eine unfertige Planung abgeben und sagen: „Den Rest macht ihr schon.“
Die 90 Prozent müssen so gut sein, dass die letzten 10 Prozent bewusst gemeinsam gelöst werden können.
Das ist für mich ein entscheidender Unterschied.
Vielleicht muss gute Planung gar nicht immer 100 Prozent vorgeben
Heute sehe ich eine gute Gerüstplanung deshalb etwas anders als früher.
Sie muss nicht zwangsläufig jeden Handgriff vorwegnehmen.
Sie muss den richtigen Rahmen schaffen. Sie muss Risiken klären, Orientierung geben und Lösungen vorbereiten.
Und manchmal muss sie auch Platz lassen für die Erfahrung der Menschen, die später damit arbeiten.
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Denn ich habe irgendwann verstanden: Ich muss nicht immer selbst die Lösung haben.
Manchmal besteht meine Aufgabe darin, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass andere eine noch bessere finden.
Und wenn am Ende eine Kolonne eine Lösung umsetzt, die besser ist als meine ursprüngliche Idee, dann sehe ich das heute nicht als Schwäche meiner Planung.
Dann haben wir genau das erreicht, worum es eigentlich geht: gemeinsam die beste Lösung für das Projekt zu finden.
Und du?
Fällt es dir leicht, anderen bewusst Raum für ihre eigene Lösung zu lassen – oder möchtest du am liebsten alles bis ins letzte Detail selbst vorgeben?
Ich freue mich auf deine Gedanken.
Marcus Muschke