Allgemeine Themen / 3. August 2026

Der Moment, in dem ich verstanden habe: Wegsehen ist auch eine Entscheidung

KI generiert

Es gibt Situationen, auf die freut man sich nicht. Nicht, weil man nicht weiß, was richtig wäre. Sondern weil man genau weiß, dass das nächste Gespräch unangenehm wird.

So eine Situation hatte ich letzte Woche.

Ich war auf einer unserer Baustellen von uns Das passende Gerüst für den besonderen Zweck finden  und habe gesehen, dass etwas nicht so ausgeführt wurde, wie es hätte sein müssen. Was genau es war, spielt für diese Geschichte eigentlich keine Rolle. Viel wichtiger ist, wie ich darauf reagiert habe.

Vor ein paar Jahren hätte ich wahrscheinlich anders gehandelt. Ich wäre weitergegangen, hätte mir vorgenommen, später anzurufen und das Thema in Ruhe zu klären. Nicht, weil es mir egal gewesen wäre, sondern weil ich Konflikte lieber vermieden habe. Ein Telefonat erschien mir einfacher als ein direktes Gespräch vor Ort.

Diesmal war es anders.

Ich habe in diesem Moment gemerkt, dass genau hier mein persönlicher Wachstum liegt. Also bin ich nicht weitergelaufen. Ich bin direkt zu den Kollegen gegangen und habe das Gespräch gesucht. Ruhig, sachlich und respektvoll. Nicht, um jemanden bloßzustellen oder Recht zu behalten. Sondern weil ich meiner Verantwortung gerecht werden wollte.

Während des Gesprächs wurde mir etwas bewusst. Es ging gar nicht nur um den Fehler auf der Baustelle. Es ging auch um mich. Um die Entscheidung, schwierigen Situationen nicht mehr aus dem Weg zu gehen.

Ich glaube, Führung zeigt sich nicht an den Tagen, an denen alles gut läuft. Es ist leicht, Lob auszusprechen oder gute Stimmung zu verbreiten, wenn keine Probleme da sind. Die eigentliche Herausforderung beginnt in dem Moment, in dem man etwas ansprechen muss, das niemand gerne hört.

Früher dachte ich, Führung bedeutet vor allem, gute Entscheidungen zu treffen. Heute glaube ich, dass Führung oft bedeutet, unangenehme Gespräche nicht aufzuschieben.

Interessanterweise merke ich, dass ich mit jedem dieser Gespräche selbst sicherer werde. Nicht, weil Konflikte plötzlich angenehm werden. Das werden sie wahrscheinlich nie. Sondern weil ich lerne, dass sie dazugehören. Wer Verantwortung übernimmt, wird solche Situationen nie ganz vermeiden können.

Natürlich wäre es einfacher gewesen, einfach weiterzugehen und mir zu sagen: „Das klären wir später.“ Aber genau dieses „später“ löst selten ein Problem. Meistens wird es dadurch nur größer.

Diese Baustelle hat mich deshalb nicht wegen des Fehlers beschäftigt. Fehler passieren überall, wo Menschen arbeiten. Sie hat mich beschäftigt, weil sie mir gezeigt hat, dass persönliches Wachstum oft dort beginnt, wo man sich bewusst entscheidet, den unbequemen Weg zu gehen.

Heute glaube ich deshalb mehr denn je:

Wegsehen ist nicht neutral.

Auch Wegsehen ist eine Entscheidung.

Und meistens ist es nicht die richtige.

👉 Wenn dich Gedanken über Verantwortung, Führung und persönliche Entwicklung interessieren, findest du hier weitere Beiträge von mir: „Wo Erfahrung wirklich entsteht“ 

Und du?

Gab es bei dir schon einmal ein Gespräch, das du am liebsten vermieden hättest – und bei dem du im Nachhinein gemerkt hast, dass genau dieses Gespräch notwendig war?

Ich freue mich auf deine Gedanken.

Marcus Muschke

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