Warum ich heute einen Auszubildenden kündigen musste – und warum das wichtig war
Heute war kein guter Tag. Kein Tag, den man gern teilt. Und ganz sicher kein Tag, an dem man sich leicht fühlt.
Ich musste heute einen Auszubildenden kündigen.
Das ist nichts, worauf man stolz ist. Aber es ist etwas, wozu man stehen muss, wenn man Ausbildung ernst nimmt.
Bei der Gemeinhardt Service GmbH legen wir großen Wert auf unsere Werte:
- Respekt.
- Verlässlichkeit.
- Verantwortung.
- Der Umgang miteinander.
- Haltung.
Diese Werte sind für uns kein Aushang an der Wand. Sie sind die Grundlage unserer Zusammenarbeit.
Und ja, wir sind bereit, dafür mehr zu investieren als notwendig: mehr Zeit, mehr Energie – und auch mehr Geld.
Wir tun das bewusst. Weil wir glauben, dass Ausbildung ein Beitrag zur Gesellschaft ist.
Weil wir jungen Menschen nicht nur einen Beruf, sondern auch Orientierung mitgeben wollen.
Mehrere Chancen. Klare Gespräche. Klare Grenzen.
Die Kündigung kam nicht plötzlich.
Es gab Gespräche.
Es gab Ermahnungen.
Es gab Abmahnungen.
Und es gab immer wieder die klare Erwartung, sich an unsere gemeinsamen Regeln zu halten.
Diese Regeln dienen nicht der Kontrolle. Sie schaffen ein Umfeld, in dem Lernen möglich ist. In dem sich alle sicher fühlen. In dem Fairness herrscht.
Trotz aller Versuche hat sich daran nichts geändert.
Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man Verantwortung übernehmen muss –
nicht nur für den Einzelnen, sondern für das Ganze.
Auch das ist mein Versagen als Ausbilder
Ich will ehrlich sein: Ich sehe diese Kündigung auch als Teil meines eigenen Versagens.
Als Ausbilder fragt man sich:
- Habe ich früh genug reagiert?
- Habe ich klar genug geführt?
- Habe ich alles getan, was möglich war?
Diese Fragen gehören dazu. Und sie werden bleiben.
Aber Verantwortung heißt nicht, alles auszuhalten. Verantwortung heißt auch, unbequeme Entscheidungen zu treffen.
Warum diese Entscheidung notwendig war
Es gibt einen Punkt, den man nicht ignorieren darf: Wenn Regeln für manche gelten und für andere nicht, verlieren sie ihre Bedeutung.
Die anderen Auszubildenden beobachten genau. Sie fragen sich:
- Warum müssen wir uns an Regeln halten, wenn jemand anderes es nicht tut?
- Warum geben wir uns Mühe, wenn es keine Konsequenzen gibt?
Um die Werte zu schützen, für die sich alle anderen entscheiden, musste ich diese Entscheidung treffen.
Nicht gegen jemanden. Sondern für die Gemeinschaft. Für die anderen Auszubildenden. Für das Team. Für das, wofür wir stehen.
Ausbildung bedeutet nicht nur fördern, sondern auch Grenzen setzen
Ausbildung ist nicht nur Geduld. Nicht nur Erklären. Nicht nur Begleiten.
Ausbildung bedeutet auch, Grenzen klar zu machen – und sie konsequent zu ziehen, wenn sie überschritten werden.
Das ist kein Zeichen von Härte. Es ist ein Zeichen von Fairness.
Denn alle, die sich anstrengen, verdienen ein Umfeld, das sie schützt.
Was ich daraus mitnehme
Dieser Tag wird mir im Kopf bleiben. Nicht als Erfolg, sondern als Erinnerung daran, wie wichtig Haltung ist.
Für mich persönlich. Für meine Rolle als Ausbilder. Und für unsere Ausbildung insgesamt.
Wir werden unseren Weg weitergehen:
- mit klaren Werten, mit Investitionen in Menschen und mit dem Mut, auch schwierige Entscheidungen zu treffen, wenn sie notwendig sind.
Nicht, weil es leicht ist – sondern weil es richtig ist.
Wie siehst du das? Wo endet Fördern – und wo beginnt die Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft?
Ich bin offen für den Austausch.
Marcus Muschke